Reflektion und Selbstwahrnehmung

Kolumne in der Rheinischen Post vom 24.01.2026 - inspiriert von der aktuellen Ausstellung  "Otto Pankok - Selbst" im Pankok Museum. 

Laufzeit 25.10.2025 - 05.04.2026
Pankok Museum
Otto-Pankok-Weg 4
46569 Hünxe 

Beim ersten Blick in die aktuelle Ausstellung des Otto-Pankok-Museums bin ich befremdet. Sie zeigt das, was der Titel „Otto Pankok – Selbst": Selbstportraits des Malers in Fülle. Dabei sind die Gezeigten nur ein Ausschnitt: über 180-mal hat Otto Pankok sich selbst mit dem Kohlestift gezeichnet. Die schiere Fülle von Abbildungen seiner selbst ist es, die beim ersten Blick befremdet. Sind sie Ausdruck von übertriebener Selbstverliebtheit, von Narzissmus? Vielleicht bin ich so sensibel, weil wir seit einem guten Jahr, miterleben können, wie ein selbstverliebter Egomane als Präsident der Vereinigten Staaten, die gesamte Welt durcheinanderwirbelt. Dem es im Kern jedoch darum geht, selbst und ganz persönlich gut dazustehen. Oder eben „gut abgebildet" zu sein. Dabei ist dem US-Präsidenten jede Verzerrung der Wahrheit, der Einsatz von Gewalt und auch die Art und Weise des Umgangs recht, entsteht nur ein möglichst vorteilhaftes (Selbst)Portrait. Doch eine solche Haltung hinter seinen Selbstportraits darf ich Otto Pankok nicht unterstellen. Der kundige Museumspädagoge rät zur genauen Betrachtung der Bilder. Er erläutert, dass der Künstler sich immer wieder selbst gezeichnet habe, um seinen Alltag, den „Lauf seiner Dinge", seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, das Erleben von Krieg mit dessen Folgen für die Menschen und in den 50er Jahren seine pazifistische Position gegen die Wiederaufrüstung zu reflektieren und damit für die Nachwelt zu dokumentieren. Kurz, die Selbstportraits ersetzen das Tagebuch. Ein Beispiel: eines der gezeigten Bilder – es entstand im Jahr 1946 – zeigt den Maler bis auf die Knochen abgemagert. Pankok selbst litt nicht so sehr unter dem Nachkriegs-Hunger. Er reflektiert im Bild die Situation der vielen in Nachkriegsdeutschland, die nichts hatten, um ihren Hunger zu stillen. Diese Haltung empfinde ich als vorbildlich: Pankok lässt sich vom Leben beeindrucken, der Alltag mit Freude und Glück, genauso wie Sorge und Elend berühren und verändern ihn, spiegeln sich in seinen zahlreichen Portraits. Eine solche Haltung täte uns – mit Blick auf die Nachrichtenlage besonders der zu Ende gehenden Woche buchstäblich der ganzen Welt – außerordentlich gut.

sue


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